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Leitbilder für den Stadtumbau

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Die perforierte Stadt

Kontraktion versus Perforation
Kontraktion versus Perforation
Unter dem Schlagwort "Die perforierte Stadt" wird das zweite wichtige Leitbild für den Stadtumbau aktuell diskutiert. Der Begriff geht zurück auf eine "Versuchsanordnung" für die Stadt Leipzig, die im Jahr 2001 vom damaligen Beigeordneten für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig, Dr. Engelbert Lütke Daldrup, erstmals veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt war die zunehmende Entleerung der Stadt Leipzig in den 1990er Jahren, die durch Wohnungsleerstände und Brachflächen auch eine nicht unerhebliche Ausdünnung der inneren Stadt zur Folge hatte. Verstärkt wurde dieser Transformationsprozess durch den Neubau von zahlreichen Einfamilienhäusern in den kleineren Umlandgemeinden, der zur Zersiedlung der Landschaft beitrug und erst durch deren Eingemeindung 1999 eingedämmt werden konnte.

Aufbauend auf dieser schleichenden Stadtauflösung plädierte Lütke Daldrup für ein Loslösen von den alten städtebaulichen Dichtevorstellungen, in dem er vom Leipziger Planungsnetzwerk L21 ein neues "Bild von stabilisierbaren Kernen und libertär und flexibel in den Zwischenfeldern zwischen den Traditionsinseln entwickeltem Plasma" entwerfen lies.

Als Realitätsmodell beschreibt das Schlagwort die Perforation, also die Durchlöcherung der zuvor kompakten baulichräumlichen Stadtstrukturen. Im negativen Begriffsverständnis bezeichnet es somit die Störungen des Leitbildes der kompakten Stadt in Form von Lücken, die durch unterschiedliche plötzliche oder permanente Einwirkungen entstehen.

Darüber hinaus ist die perforierte Stadt auch als städtebauliches Leitbild bzw. Entwicklungsrichtung zu verstehen. Mittels kleinräumigem Rückbau und Abriss besteht die Chance, auf ungenutzten Flächen der inneren Stadt und in Großwohnsiedlungen ökologisch oder sozial begründete Freiräume und neue Bauformen zu etablieren, die insgesamt zu einer geringeren Dichte führen, ohne aber jedoch die vorhandenen städtebaulichen Strukturen aufzugeben. Hierzu gehören auch Zwischennutzungen zur temporären Flächengestaltung, die im Falle einer wieder steigenden Nachfrage später erneut bebaut werden können. Durch eine gezielte Perforation der Blockstruktur erhöht sich damit die Wohn- und Wohnumfeldqualität, so dass man dieser mit Grün durchlöcherten Stadt "nicht mehr aufs Land entfliehen" muss. Der räumliche Schwerpunkt liegt dabei auf den innerstädtischen Quartieren, deren Konkurrenzfähigkeit durch eine derartige Form der Stadterneuerung, die allerdings zu keinen zu großen Lücken führen darf, erhöht werden soll.

Der zweite strategische Grundsatz neben der behutsamen Auflockerung besteht darin, den Rückbau von Quartieren jeweils von den Rändern her zu forcieren. Dabei gilt es, "die kompakte Stadt mit klaren Grenzen zur Landschaft zu festigen". Hierin eingeschlossen sind neben den Plattenbaugebieten ganz bewusst auch Gründerzeitquartiere, die aufgrund eines schlechten Bauzustandes, mangelhafter Lagequalität und eines bereits fortgeschrittenen Verfalls hohe Leerstände und keine positive Entwicklungsdynamik aufweisen.
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